Es begann alles mit einem Krimidinner angesiedelt in den 20ern. Ich hatte nicht viel Zeit, also nahm ich meine Taschen Edition von Fashion (Sammlung des Kyoto Costume Instituts) und fing an zu blättern. Die Flapper-Kleider mit den tausenden von Perlen waren zwar wunderschön, aber nichts, was ich in so kurzer Zeit hinbekommen würde. Und dann war da dieses einfache, elegante Kleid: Das Fortuny Delphos Kleid. Kein komplizierter Schnitt, keine aufwendige Dekoration, nur organisch fließende Falten und kleine Perlen am Rand.

Das schaffe ich locker, sagte ich mir. Einen plissierten Stoff bekomme ich im Stoffladen und die teuren Murano-Glasperlen kann ich mit Halbedelsteinen ersetzen. Aber wie ihr euch denken könnt, war das wohl nichts. Weit und breit kein plissierter Stoff, höchstens plissierter schwarzer Chiffon. Aber ich wollte Gold. Ist ja keine Beerdigung (oder doch, wir hatten ja einen Mord…). Um etwas neues auszusuchen war ich aber schon zu fixiert auf das Fortuny Delphos Kleid. Also befragte ich das Internet danach, wie man selbst plissiert. Fortuny hat sein Geheimnis der plissierten Seide zwar sehr gut gehütet, aber mit modernen Polyester-Stoffen ist es ganz einfach möglich.

Von Hand plissieren

Plissieren mit Fäden

Plissieren mit Fäden

“Einfach” in Anführungszeichen. Man muss die Falten nämlich selbst legen. In meinem Fall habe ich auf Fortunys Methode mit Fäden zurück gegriffen. Das ergibt schöne organisch gewellte Falten.

Ich einen Meterstab auf den Stoff gelegt und pro Zentimeter einen Stich gesetzt. Den Faden hatte ich doppelt, damit es mit beim Zusammenziehen nicht reisst. Alle fünf Zentimeter habe ich eine neue Reihe angefangen. Also 140cm Stoffbreite und ca. 150cm Stofflänge macht 4200 Stiche. Ich hatte Zeit für ein paar Podcasts…

Ich habe den Stoff übrigens doppelt genommen. Sonst wäre es für die Rückseite nochmal so viel Arbeit gewesen.

Falten fixieren

Das Fixieren der Falten ist jetzt aber wirklich einfach. Man zieht die Fäden vorsichtig zusammen, so daß sich gleichmäßige Falten bilden. Man muss eventuell ein paar Falten noch zurecht zupfen. Das ganze habe ich dann in eine Auflaufform gelegt, eine kleine Wasserschüssel mit hinein gestellt und dann 45 Minuten bei 120°C gebacken. Dabei wird das Gewebe erhitzt und verändert die Form dauerhaft. In dem Fall ist Plastikstoff ausnahmsweise mal nützlich. Diese Fixierung überlebt sogar die Waschmaschine.

Diese ganzen Infos habe ich aus ein paar tollen Blogposts. Um 2016 herum gab es unter den Nähbloggerinnen wohl eine Challenge selbst zu plissieren und sie haben das schön dokumentiert. Hier (Nahtzugabe Blog) und hier (Made with Blümchen) zum Beispiel.

Das Ergebnis

Nach dem Backofen hat der Stoff dann diese wunderschönen leicht wellige, organische Falten. Der goldenen Stoff hat einen leichten Stretch-Anteil, die Falten fallen also besonders weich.

Dunkler Fortuny – Ein zweites Delphos Kleid

Beim Planen des Fotoshootings für das goldene Kleid wurde mir immer klarer, daß ich ein Paarshooting mit zwei Kleidern machen möchte. Also habe ich ein zweites Fortuny Delphos Kleid gemacht. Diesmal habe ich einen dunkelvioletten Satin ausgesucht. Der ist etwas steifer (kein Stretch), deshalb sind die Falten etwas schärfer geworden. Aber nachdem das zweite Modell sowieso mein böser Zwilling wurde, war das ein sehr passender Effekt.

Diesmal war der Prozess schon optimierter. Ich habe beide Stoffbahnen gleichzeitig plissiert und auch in nur eine Auflaufform bekommen.